Bei der Kreditvergabe interessieren sich die Banken vor allem für den Berufsstatus (Selbstständige, Angestellte, Beamte etc) des Kreditnehmers sowie das dazugehörige regelmäßige Einkommen. Je „sicherer“ das Einkommen ist, desto einfacher erhält man den Wunschkredit bei dem Geldinstitut. Wir gehen in unseren Ausführungen zuerst auf den klassischen Konsumkredit ein.

Selbstständige haben im Vergleich zu anderen Berufsgruppen einen Nachteil bei der Kreditvergabe: Hier schwankt das Einkommen (z.B. wegen saisonaler Dienstleistungen, verzögerter Zahlung etc.) sehr stark und das Einkommen ist unregelmäßig.

Um einen Kredit als Selbstständiger oder Freiberufler zu bekommen, reicht es also nicht aus, sein Jahreseinkommen zu schätzen oder anhand von wenigen Rechnungen hochzurechnen. Die Bank braucht oft weitere Sicherheiten. Bei Angestellten oder Beamten reichen meistens die letzten drei Gehaltsabrechnungen!

Voraussetzungen für einen Kredit für Selbstständige

Selbstständige erhalten nicht immer leicht einen Kredit
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Wie bei anderen Berufsgruppen zählt hier vor allem die Höhe des Einkommens. Das heißt nicht, dass man als Selbstständiger 5000,- Euro und mehr monatlich verdienen muss, damit man einen Kredit aufnehmen kann. Die gewünschte Kreditsumme muss aus Sicht der Bank zum Einkommen des Selbstständigen passen. Wer 2000,- Euro im Monat netto verdient und einen 5000 Euro Kredit aufnehmen will, für den stehen die Chancen sehr gut. Wer hingegen beim gleichen Gehalt einen 50.000 Euro Kredit aufnehmen will, dem wird die Bank sehr wahrscheinlich absagen.

Weitere Bedingungen für den Selbstständigenkredit

Neben dem Einkommen ist dem Kreditgeber auch die Dauer der Selbstständigkeit wichtig. Hier spielt die Regelmäßigkeit der Einnahmen eine wichtige Rolle. Wer im ersten oder zweiten Jahr seiner freiberuflichen Tätigkeit bzw. Selbstständigkeit einen Kredit bekommen will, muss weitere Sicherheiten bieten.

Standardmäßig möchte die Bank den offiziellen Einkommensteuerbescheid der letzten Jahre vom Finanzamt sehen. Stehen diese noch nicht zur Verfügung, kann eine offizielle Bescheinigung über das erwartete Einkommen vom eigenen Steuerbüro ausgestellt werden. Weitere Sicherheiten können z.B. Sparguthaben, ein Auto oder Immobilien sein. Welche Sicherheiten die Bank möchte, hängt entsprechend von der gewünschten Kreditsumme ab.

Tipp: Verlangt die Bank vom laufenden Geschäftsjahr eine Einkommensübersicht vom Steuerbüro und ist diese kurzfristig nicht verfügbar, reichen in einigen Fällen auch die bereits gestellten und bezahlten Rechnungen bei Selbstständigen aus. Dazu möchte die Bank neben den Rechnungen auch die Geldeingänge auf dem Kontoauszug sehen.

Selbstständiger bekommt kein Kredit – was dann?

Erhält man als Freiberufler bzw. Selbstständiger keinen Kredit von der Bank oder Sparkasse, gibt es noch weitere Möglichkeiten, die man ausprobieren kann. Hat man eine negative Schufa (bzw. keine 100% saubere Schufa) und passt das Einkommen des Selbstständigen mit der gewünschten Kredithöhe überein, können auch seriöse ausländische Kreditvermittler wie BonKredit eine Option sein. Diese haben sich auf Kunden spezialisiert, die bei einer klassischen Bank durch das Raster fallen, weil ihre Schufa nicht einwandfrei ist.

Wichtig: Am Markt gibt es auch viele unseriöse Anbieter! Wenn Sie für Ihren Kredit zuerst eine „Gebühr“ etc zahlen müssen, lassen Sie die Finger von solchen Angeboten. Seriöse Anbieter verrechnen evtl. Gebühren mit der ausgezahlten Summe bzw. nehmen kein Geld im Voraus für diese Dienstleistung!

Eine weitere Möglichkeit für einen Konsumkredit bei Selbstständigen könnte die Hinzunahme einer weiteren Person sein. Das klassische Beispiel wäre hier der Partner bzw. Ehegatte. Voraussetzungen hier ist natürlich ein regelmäßiges Einkommen des zweiten Darlehennehmers. Damit sind auch höhere Kreditsummen möglich. Klassisches Beispiel wäre z.B. ein Autokredit für die Familie.

Business Kredite und Kredite für Existenzgründer

Konsumkredite sind im Gegensatz zu Geschäftskrediten bzw. Businesskrediten nicht zweckgebunden (Ausnahme hier ist der Autokredit). Daher ist es wichtig zu unterscheiden, welche Art von Kredit der oder die Selbstständige aufnehmen möchte.

Um einen Geschäftskredit bzw. einen Gründerkredit zu erhalten, kommt es dem Kreditgeber vor allem auf das Geschäftskonzept sowie einen schlüssigen Businessplan an. Ist aus diesen deutlich erkennbar, dass in absehbarer Zeit Gewinne erwirtschaftet werden und der Kredit inkl. Zinsen regelmäßig zurückgezahlt werden kann, steht der Kreditvergabe nichts entgegen.

Wichtig: Die Banken vergeben nicht das erste Mal Kredite an Existenzgründer und können die erarbeiteten Zahlen aus dem Businessplan gut einschätzen. Diese sollte bitte realistisch bleiben und nicht für die Bank „geschönigt“ werden. Dies wird wenig seriös und kann im schlimmsten Fall nachteilig sein.

KfW Kredite für Selbstständige

Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) ist eine staatliche Förderbank und gehört zu den größten Banken in Deutschland. Die meisten kennen diese Bank durch günstige Kredite für Immobilien, die neben dem klassischen Immobilienkredit beantragt werden können.

Die KfW bietet auch spezielle Kreditangebote für Selbstständige bzw. Existenzgründer (siehe hier). Diese sind besonders günstig und müssen je nach Produkt auch nicht sofort zurückgezahlt werden. Ein Blick in das Programm der KfW lohnt sich daher für jeden Existenzgründer.

Immobilienfinanzierung & Selbstständigkeit

Eine Immobilienfinanzierung ist ein zweckgebundener Kredit und hat fast identische Voraussetzungen wie auch andere Kredite. Ein wichtiger Unterschied besteht jedoch darin, dass die Bank sich eine „Grundschuld“ ins Grundbuch eintragen lässt und somit die Immobilie als Sicherheit hat, sollten Zahlungsausfälle kommen oder der Kredit gar nicht mehr zurückgezahlt werden können. Das Haus kann dann von der Bank z.B. zwangsversteigert werden.

Voraussetzung für einen Immobilienkredit bei Selbstständigen (aber auch anderen Berufsgruppen) ist neben dem Einkommen auch das Eigenkapital, dass in die Baufinanzierung eingebracht werden kann. Experten empfehlen hier mindestens 25-30% der Gesamtkosten durch Eigenkapital zu tragen. Dies erwartet auch die Bank, da nicht immer die gesamten Baukosten und Nebenkosten dem Marktwert der fertigen Immobilie entsprechen (z.B. eine große Villa auf dem Land oder ein teurer extravaganter Stil). Durch das eingebrachte Eigenkapital hat die Bank einen kleinen Puffer bei der möglichen Zwangsversteigerung und wird somit nicht auf den Kosten sitzen bleiben.

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