Kreditvergleich bei Stiftung Warentest

Die Stiftung Warentest führt unter anderem Produktvergleiche zu den verschiedenen Kreditangeboten durch. So können Verbraucher sich beispielsweise monatlich aktualisiert die Konditionen einer Vielzahl von Ratenkrediten anzeigen lassen. Zudem werden auch die anderen Kreditarten wie Dispo, Abrufkredit oder Immobilienfinanzierung regelmäßig unter die Lupe genommen. Die Experten der Stiftung Warentest informieren außerdem über wichtige Gesetzesänderungen und geben eine Reihe von Tipps rund um das Thema Kredite.

Bausparen lohnt sich für Modernisierungen mehr denn je (7/2016)

Aufgrund der niedrigen Sparzinsen ist das Bausparen als reiner Sparvertrag nicht empfehlenswert. Anders sieht es jedoch bei Hausbesitzern aus, die in den nächsten Jahren eine Modernisierung ihrer Immobilie planen. Mit einem Bausparvertrag lassen sich die attraktiven Zinsen für einen Kredit bereits Jahre im Voraus sichern. In der Ausgabe 7/2016 hat Finanztest die Angebote von 16 Bausparkassen anhand dreier Modellfälle getestet. Dabei wurde der finanzielle Vorteil gegenüber einem Banksparplan mit 1 Prozent Rendite und einem Darlehen mit 4,5 Prozent effektivem Jahreszins ermittelt. Das Ergebnis zeigt, dass sich ein Vergleich in jedem Falle lohnt. Je nach Finanzierungssumme ergaben sich Unterschiede von mehr als 1.500 Euro.

  • Modelfall 1: Auszahlung 15.000 Euro, Finanzierungszeit vier Jahre
  • Modelfall 2: Auszahlung 30.000 Euro, Finanzierungszeit sechs Jahre
  • Modelfall 3: Auszahlung 50.000 Euro, Finanzierungszeit acht Jahre

Für den ersten Modelfall kam das beste Angebot von der Bausparkasse Mainz. Der Tarif MaxDirekt F bringt einen finanziellen Vorteil von 383 Euro. Auf dem zweiten Platz lag Marktführer BHW gefolgt vom Deutsche Bank Bausparen.

Beim zweiten Modelfall konnte die Alte Leipziger Versicherung sowie ebenfalls die Bausparkasse Mainz punkten. Im Vergleich zu klassischen Bankangeboten ergab sich hierbei ein finanzieller Vorteil von 971 bis 967 Euro. BHW lag mit einem finanziellen Vorteil von 2.481 Euro im dritten Modellfall deutlich vorne. Auf die weiteren Plätze kamen Deutsche Bank (2.189 Euro) sowie LBS Ost (1.913 Euro).

Kredite zum Hauskauf im Test bei Stiftung Warentest

Vergleichen lohnt sich natürlich auch bei einem klassischen Immobilienkredit. Finanztest hat bei einer Untersuchung im Januar 2016 Zinsunterschiede von bis zu 66.500 Euro festgestellt. Unter die Lupe genommen wurden 110 Angebote von Banken, Versicherungen, Vermittlern und Bausparkassen. Dabei wurde zwischen überregionalen Anbietern mit und ohne Filialen sowie regionalen Anbietern unterschieden. Zur Anwendung kamen fünf unterschiedliche Modellfälle.

  • Modelfall 1: Immobilienpreis 250.000 Euro, Kreditsumme 180.000 Euro, Volltilgerdarlehen über 20 Jahre Laufzeit.
  • Modelfall 2: Immobilienpreis 250.000 Euro, Kreditsumme 180.000 Euro, Volltilgerdarlehen über 25 Jahre Laufzeit.
  • Modelfall 3: Immobilienpreis 250.000 Euro, Kreditsumme 180.000 Euro, Kombidarlehen mit verschiedenen Laufzeiten.
  • Modelfall 4: Immobilienpreis 400.000 Euro, Kreditsumme 360.000 Euro, Zinsbindung 15 Jahre mit der Prozent Tilgung und bis zu fünf Prozent Sondertilgung.
  • Modelfall 5: Effizienzhaus 100 für 300.000 Euro, Finanzierung mit 160.000 Euro Bankdarlehen und 80.000 Euro KfW-Darlehen.

Wer sich für den Kauf eines energetisch sanierten Altbaus entscheidet, erhält einen Immobilienkredit bereits ab einem effektiven Jahreszins von 0,5 Prozent. Ermöglicht wird die günstige Finanzierung durch die Kombination eines Bankkredits mit einem Förderdarlehen der KfW. Zum Testzeitraum waren diese günstigen Konditionen unter anderem bei der DAB Bank, Santander Direkt Bank, Hypovereinsbank und Targobank erhältlich.

Wie der Test zeigt, lässt sich ein Hauskauf auch mit relativ wenig Eigenkapital finanzieren. So gibt es einen Kredit über 90 Prozent des Kaufpreises bei der DAB Bank, Targobank oder Hypervereinsbank schon für 1,96 Prozent Zinsen jährlich. Der Zinssatz wird für fünf Jahre festgeschrieben bei einer Tilgung von 3 Prozent. Der Tilgungssatz kann zweimal gewechselt werden, jährlich ist eine fünfprozentige Sondertilgung möglich.

Mit einem Volltilgerdarlehen können Verbraucher das Risiko einer Zinserhöhung komplett ausschließen. Bei einer Laufzeit von 20 Jahren war die Hypovereinsbank mit einem Zinssatz von 1,91 Prozent am günstigsten. Dieselbe Finanzierung gab es mit 25 Jahren Laufzeit bei den Vermittlern DTW und Kredite-Direkt zu einem Zinssatz von 2,23 Prozent.

Wichtige Finanzierungstipps der Stiftung Warentest:

  1. Eigenkapital: Die vorhandenen Ersparnisse sollten zwischen 10 und 20 Prozent des Kaufpreises sowie die gesamten Kaufnebenkosten abdecken.
  2. Kreditanteil vom Kaufpreis: Sofern der Kreditanteil über 80 oder 90 Prozent liegt, verlangen viele Banken einen Aufschlag auf die Zinsen. Deshalb immer nachfragen wie viel Eigenkapital erforderlich ist, um einen günstigeren Zinssatz zu erhalten.
  3. Förderung: Immer bei der Gemeinde oder dem Landratsamt nachfragen, ob es im jeweiligen Bundesland vergünstigte Darlehen gibt. Bei Erfüllung der Bedingungen sollten zudem immer die KfW-Darlehen genutzt werden.
  4. Tilgung: Die aktuell niedrigen Zinsen ermöglichen Kreditnehmern eine schnellere Tilgung. Zwischen zwei und drei Prozent jährlich sollten es in jedem Fall sein. Wer nach rund 20 Jahren schuldenfrei sein möchte, benötigt eine Tilgung von etwa vier Prozent.
  5. Flexibilität: Sondertilgungen von fünf bis zehn Prozent jährlich sollten bei jedem Immobilienkredit vereinbart werden. Die Möglichkeit einer nachträglichen Veränderung der Monatsrate macht den Immobilienkredit flexibler.
  6. Zinsbindung: Bei einer Zinsbindung von 10 oder 15 Jahren ist der Zinssatz zwar etwas höher, dafür profitieren Kreditnehmer von mehr Sicherheit. Nach Ablauf von zehn Jahren können die Kredite mit einer sechsmonatigen Frist gekündigt werden.
  7. Volltilgerdarlehen: Mit einem Volltilgerdarlehen lässt sich das Zinsrisiko vollständig ausschließen. Günstige Zinsen gibt es allerdings nur bei relativ hohen Raten.
  8. Kombination mit Bausparen: Die Kombikredite der Bausparkassen sind eine gute Alternative zum Volltilgerdarlehen. Die Zinssätze werden hierbei in der Regel ebenfalls bis zum Ende der Laufzeit festgeschrieben.
  9. Riester-Darlehen: Es lohnt sich, Angebote für ein Riester-Darlehen einzuholen. Angeboten werden diese neben den meisten Bausparkassen auch von Allianz und Postbank. Sofern der Zinssatz nur geringfügig höher ist, lohnen sich geförderte Kredite fast immer.
  10. Bereitstellungszinsen: Häuslebauer sollten immer darauf achten, ab wann und in welcher Höhe Bereitstellungszinsen berechnet werden. Zwischen Vertragsabschluss und Auszahlung können mitunter mehrere Monate liegen. Ein Zinssatz von 0,25 Prozent pro Monat ist bei vielen Banken die Regel.
  11. Finanzierungsplan: Besonders wenn die Finanzierung aus mehreren Krediten besteht, sollten Kreditnehmer sich immer einen Finanzierungsplan erstellen lassen.
  12. Verbraucherzentrale: Eine unabhängige Beratung gibt es bei der Verbraucherzentrale. Diese kostet zwischen 100 und 200 Euro pro Jahr.

Schufa und vier weitere Auskunfteien im Kredit Test

Bei einem Kredit Test im Februar 2016 hat Finanztest teilweise schwer Mängel bei der Informationen durch Auskunfteien festgestellt. Lediglich die Schufa wurde mit dem Qualitätsurteil „gut“ bewertet, jedoch gibt es auch hier noch Verbesserungspotenzial. Untersucht wurden neben der Schufa auch die Anbieter Infoscore, Bürgel, Boniversum und Deltavista. Die Bewertung setzte sich zu 55 Prozent aus Inhalt, zu 30 Prozent aus Sprache und zu 15 Prozent aus der Lesbarkeit zusammen.

Bewertung im Einzelnen:

  • Schufa: Inhalt (1,9), Sprache (2,2), Lesbarkeit (4,1), Gesamt (2,3)
  • Infoscore: Inhalt (3,3), Sprache (2,4), Lesbarkeit (3,2), Gesamt (3,0)
  • Bürgel: Inhalt (4,5), Sprache (2,4), Lesbarkeit (2,8), Gesamt (3,6)
  • Boniversum: Inhalt (4,3), Sprache (4,1), Lesbarkeit (3,2), Gesamt (4,1)
  • Deltavista: Inhalt (4,8), Sprache (3,8), Lesbarkeit (3,3), Gesamt (4,3)

Die Schufa konnte besonders mit ausführlichen Informationen punkten, welche Daten gespeichert sind. Eine noch bessere Benotung wäre möglich gewesen wenn die Schufa eindeutiger über die Möglichkeit der Änderung bzw. Löschung von falschen Daten informieren würde. Bei den anderen Anbietern waren die Infos zu gespeicherten Daten, Vertragspartnern sowie Wahrscheinlichkeitswerten nicht vollständig.

Die Stiftung Warentest rät dazu, eine Eigenauskunft zunächst, ohne Personalausweiskopie anzufordern. Diese wird nur verlangt, wenn die Identität nicht zweifelsfrei festgestellt werden kann. Die von der Auskunftei nicht benötigten Daten wie Personalausweisnummer, sollte dabei geschwärzt werden.

Abrufkredite als Alternative zum Dispo

Der Abrufkredit funktioniert ähnlich wie ein Dispo, ohne dass hierfür ein Girokonto benötigt wird. Die Bank räumt dem Kunden einen Kreditrahmen ein, welcher individuell in Anspruch genommen werden kann. Finanztest hat in der Ausgabe 3/2014 geprüft welche Banken einen solchen Abrufkredit anbieten und wie die Konditionen aussehen.

Bei den bundesweit tätigen Banken war die ING-Diba mit einem Zinssatz von 6,70 Prozent am günstigsten. Angeboten werden Kreditbeträge zwischen 2.500 und 25.000 Euro. Der Kredit kann flexibel zurückgezahlt werden, eine monatliche Mindestrate gibt es nicht. Wer im Öffentlichen Dienst tätig ist, erhält bei Allgemeinen Beamten Kasse einen Abrufkredit zu einem effektiven Jahreszins von 6,75 Prozent, welcher über einen Zeitraum von vier Jahren festgeschrieben wird. Als Kreditrahmen wird das 10-fache Monatsnettoeinkommen angeboten.

Selbstständige finden unter anderem bei der PSD Bank Hannover (6,65 Prozent), Bank11direkt (7,20 Prozent) sowie der Volkswagen Bank direct (7,69 Prozent) günstige Konditionen.

Weniger überzeugend waren die Abrufkredite der Valvois Bank und der Standard Chartered Bank. Mit einem effektiven Jahreszins von mehr als 10 Prozent waren deren Angebote am teuersten.